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Die szenische Aufarbeitung der „Carmina Burana“ von Carl Orff, zusammen mit der leidenschaftlichen musikalischen Interpretation machen die Aufführungen der SingAkademie Niedersachsen zu einem besonderen Erlebnis

 

 

Mit neuem Konzept hat die SingAkademie Niedersachsen in diesem Jahr nochmals die „Carmina Burana“ von Carl Orff auf die Bühne gebracht. Unter dem Motto „Carmina Tanzen und Singen“ erarbeitete der Projektchor das Stück an drei Übungswochenden komplett neu, mit sowohl erprobten „Carmina Sängern“ als auch Neulingen. Neben den musikalischen Herausforderungen standen szenische Elemente auf dem Programm. Der Tanzworkshop unter der Leitung des bekannten Choreographen Michael Kemper (Apassionata) steuerte jugendliche Frische ergänzt um Solofiguren von Tänzern der JSAN bei. Der Projektkinderchor der SingAkademie, szenisch geführt von der Sopranistin Ulrike Knorr, begeisterte durch seine Unbefangenheit und Herzlichkeit. Auch die Solisten waren in die Spielszenen integriert und visualisierten damit ebenfalls die Inhalte der vorwiegend lateinischen Texte. Die weiße Chorkleidung unterstützte duch verschieden farbige Beleuchtung der Bühne die szenischen und visuellen Effekte.
Zu Beginn der Workshops zeigten sich einige Beteiligte noch sehr skeptisch, ob die szenische Aufarbeitung der richtige Weg sei, das Werk erneut auf die Bühne zu bringen. Auch war es für viele Beteiligte zunächst sehr schwierig, zusätzlich zu den musikalischen Herausforderungen, die szenischen Elemente zu verinnerlichen. Einige Chorpassagen und alle solitstischen Passagen sollten auswendig vorgetragen werden. Mitwirkende und Teile des Publikums brachten ebenfalls vor Konzertbeginn Vorbehalte gegenüber der gewählten authorisierten Konzertfassung für zwei Klaviere, Schlagwerk, Chor und Solisten zur Geltung. Können die zwei Klaviere das Orchester bei der symphonischen Fassung ergänzen? Können diese gegen das übermächtige Schlagwerk anspielen?
Während sich die ersten beiden Gesangswochenden auf die musikalische Erarbeitung des Stückes konzentrierten, standen beim dritten Wochenende die szenischen Abläufe im Mittelpunkt. Dann folgte schon das Konzertwochende. Am Donnerstag Abend war die erste Hauptprobe des Chores noch ohne Solisten und Musiker in der Hildesheimer Jacobi Kirche. Freitag Nachmittag 15:00 Uhr folgte die Generalprobe in der Bockenemer Mehrzweckhalle. Erstmals wurden Chor, Musiker, Solisten, Tänzer und Kinderchor zu einem Ganzen zusammengeführt.
Am Abend konzertierte das 120 köpfige Ensemble das erste Mal quasi als erweiterte Generalprobe mit Publikum. Die Besucher in der fast voll besetzten Bockenemer Turnhalle zeigten sich begeistert. Waren hier zwar noch einige kleinere Unstimmigkeiten in der Choreographie, der musikalischen Intonation und Exaktheit aufgetreten, wurden diese Stellen am Samstag Nachmittag vor dem zweiten Konzert nochmals geprobt und verfeinert.

Die anschließende Aufführung im voll besetzten Kaisersaal der Kaiserpfalz in Goslar geriet anschließend zu einem Highlight, das mit langanhaltendem Applaus und stehenden Ovationen bedacht wurde. Am Sonntag stand noch das Finale in der Hildesheimer Jacobi Kirche bevor.

 

Oftmals ist es schwierig am dritten Tag die Spannung und Konzentration im Konzert aufrecht zu erhalten. - Nicht an diesem Wochenende - Speziell die Männer überzeugten an diesem Tag beim Stück „In Taberna“ mit ausgeprägter Leichtigkeit, Spiel- und Sangesfreude. Die Besucher der ebenfalls bis auf den letzten Platz voll besetzten Jacobi-Kirche zeigten sich wiederum begeistert. Während in Bockenem das Zusammenspiel zwischen Chor, Klavieren und Schlagwerk in Teilen noch Probleme bereitete, gelang die Abstimmung in den folgenden Konzerten wesentlich besser. So konnten auch die Vorbehalte gegenüber der gewählten Konzertfassung zerstreut werden. Damit fand das diesjährige „Carmina“-Projekt nun auch ein würdiges Ende. Mitwirkende, Veranstalter, Dozenten und Publikum waren sich einig: Ist eine Aufführung der Carmina Burana an sich schon ein Erlebnis, lässt die szenische Aufarbeitung, zusammen mit einer leidenschaftlichen und musikalischen hochwertigen Interpretation diese zu einem ganz besonderen Erlebnis werden.

Text: Lothar Stark
Fotos: Udo Möbius

 

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